13 Oxford – Bedford

Die Nacht war ungewohnt. Wir schliefen direkt am Fenster und zehn Meter weiter auf der anderen Straßenseite befindet sich ein Nachtclub, der seine Aktivitäten zu einem nicht unerheblichen Teil auf den Bürgersteig verlagerte. Kann auch sein, das die Leute in der Schlange, die den Sichttest noch nicht bestanden haben, sich einfach nicht vom Feiern haben abhalten lassen. Es war laut! Fenster schließen in einem 64 qm Raum mit 12 Menschen drin war auch keine gute Idee, war sowieso schon nah am Pumakäfig dran. Dann war da noch der Typ, der mein Sohn hätte sein können und geschnarcht hat, wie Pavarotti singt. Ich habe versucht die Atemaussetzer zum Einschlafen zu nutzen, ich konnte immerhin bis zwanzig zählen. Der sollte dringend zum Arzt.

Um sieben Uhr macht der Versuch weiter zu schlafen einfach keinen Sinn mehr, der Wecker von der Trulla nebenan hat jetzt schon zum vierten Mal gebimmelt. Alle anderen scheinen das ähnlich zu sehen und so entsteht eine allgemeine Geschäftigkeit. Jürgen und ich brauchen zwanzig Minuten, bis wir unsere Räder gesattelt haben mit leerem Magen in die Stadt starten. Wir steuern zunächst eine Bistrokette an, die um diese Uhrzeit schon Frühstück anbietet, schlagen uns für viel Geld den Bauch voll und fahren dann los.

Der Host, bei dem wir heute eigentlich unterkommen wollten, hat uns gestern spontan abgesagt. Er wollte sich mit uns in der Stadt treffen. Irgendwie sind Jürgen und ich gegenseitig davon ausgegangen, dass der andere auf seine Anfrage antwortet, getan hat es keiner. Keine Ahnung, was Tom, so heißt der Host, sich gedacht hat, auf jeden Fall hat er uns dann einfach nicht mehr beherbergen wollen. Ich habe dann kurzerhand die beiden Etappen nach Cambridge in zwei gleich große Abschnitte aufgeteilt und auf der Hälfte in Bedford eine Herberge gesucht und gefunden.

Jetzt beim Start geht mir langsam auf, dass Bedford nicht im entferntesten auf der Hälfte der Strecke liegt, sondern viel näher an Cambridge liegt. Es wird also ein langer Tag im Sattel. Noch kurz in Oxford die Getränkeflaschen aufgefüllt und los geht’s. Wir müssen zwar gelegentlich unsere Räder kurze steile Hänge hinaufschieben, doch meist geht es sanft bergab mit leichtem Rückenwind oder eben so bergauf, dass wir noch gegenantreten können.

So erreichen wir um 12:00 Uhr bei fast der Hälfte unseres Tagessoll Waddesdon Manor. Ein von der Familie Rothschild in Auftrag gegebenes Gebäude mit Ländereien. Gewohnt haben die Rothschilds hier nie, es diente ausschließlich als Kulisse, um den interessanten Kunden ein schönes Wochenende zu ermöglichen. Der Garten ist kaum erwähnenswert. Nur direkt am schlossähnlichen Gebäude sind formale beeindruckende Beete angelegt worden, der Blick geht von hier in die ferne Landschaft. Man sieht es dem Garten an, dass das Gebäude ausschließlich dazu galt die eingeladenen Besucher für kurze Zeit zu beeindrucken, um mit ihnen ein gutes Geschäft abzuschließen. Niemand hielt sich hier so lange auf, dass er weite Spaziergänge unternehmen wollte.

Das Haus selber ist beeindruckend. Im Erdgeschoss reiht sich ein Prunksaal an den anderen, vollgestopft mit Kunst. Im ersten Stock befinden sich die pompösen Schlafzimmer und unter dem Dach dann die nicht zugänglichen Zimmer der Bediensteten.

Schaut Euch die Fotos an:

Dreizig Kilometer weiter setzen wir uns auf den Marktplatz des kleinen Ortes Woburn und essen etwas. . Schon nach einer halben Stunde geht es weiter, mit Rückenwind. Eine kurze heftige Steigung noch und dann wird die Landschaft flach. Wir lassen uns vom Wind schieben, vom Regen einholen, doch nur für die letzte halbe Stunde, schon sind wir in nach insgesamt 100 Kilometern in Bedford angekommen. Das Hotelzimmer ist das schönste der ganzen Reise, was für ein Kontrast zum Hostel in Oxford.

7 Replies to “13 Oxford – Bedford”

  1. Wolfgang

    Und war das Zimmer im Budget? Hoffentlich hat Jürgen nicht zu laut mit de Quietscheente rumgespielt. Ansonsten hätten ihr doch auch bei den Rothschild’s dinieren und übernachten können 🙂
    Vielleicht demnächst doch normale Pensionen? Kann ja nicht schlimmer als in Ostdeutschland sein: WaWo berät euch gerne 🙂

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  2. Wolfgang

    Bin ja mal gespannt, wann der Admin mich freischaltet. Diese emailsperre hatte ich ja gleich mal deaktiviert, denn löschen kann der Admin ja immer noch ??

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  3. Wolfgang

    Und war das Zimmer im Budget? Hoffentlich hat Jürgen nicht zu laut mit de Quietscheente rumgespielt. Ansonsten hätten ihr doch auch bei den Rothschild’s dinieren und übernachten können ?:-)
    Vielleicht demnächst doch normale Pensionen? Kann ja nicht schlimmer als in Ostdeutschland sein: WaWo berät euch gerne ?:-)

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    1. jpotthoff

      Jep, war im Budget. Booking.com sei Dank! Es war wie erwartet großartig und wir haben uns Zeit gelassen, da auszuziehen.

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