Weatherford – Elk City

Der Tag ist schnell erzählt.

Um 9:30 Uhr bin ich auf dem Fahrrad. Ich fahre durch Clinton, das die einzige Ansammlung von Häusern darstellt, die man als Stadt bezeichnen kann. Wobei man mit fortschreitendem Weg Richtung West genügsamer wird, was die Bezeichnung Stadt angeht. Canute und Foss sind kleiner als Hennstedt, und wenn ich ehrlich bin, erinnere ich mich gar nicht daran, Foss gesehen zu haben.

Es wird trockener. Die spärlichen Erhebungen aus der Ebene sind so trocken, dass dort deutlich weniger wächst. In den Niederungen wächst dagegen saftig grünes Gras und an den Flussläufen sogar Bäume. Der Baumbestand ist sehr wechselhaft. Zwei oder drei mal habe ich sogar Flächen gesehen, die den Namen Wald verdienen.

Die Beschreibung von Landschaft ist das einzige, was ich heute bieten kann. Im Mittleren Westen sind die Möglichkeiten über Couchsurfing oder WarmShowers unter zu kommen wenig bis gar nicht vorhanden. Aber die Landschaft verändert sich zunehmend. Die Aussicht, in den nächsten Wochen keine Bäume mehr zu sehen, weiß ich noch nicht richtig zu bewerten. Eigentlich, sagen die Leute hier, liegt um diese Zeit noch Schnee in Oklahoma; eine Vorstellung, die angesichts des stetig kletternden Termometers unvorstellbar erscheint. Am Abend bin ich durchgeschwitzt und mein linkes Bein ist an der Außenseite wieder viel zu rot gebrannt. Heute sind 29°C erreicht worden. Ich habe die Minusgrade aus dem Osten noch immer nicht vergessen. Der Temperaturumschwung, merke ich heute, ist mir doch etwas zu krass und ging auf die Kondition. Morgen sind es nur noch 22°C, was hoffentlich ganz gemütlich wird.

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Bei Ankunft im Hotel sind in der Lobby drei Kinder, ein gepflegt aussehender Mann und eine dicke, dreckige, rotgesichtige, stinkende Frau. Ein Kind sitzt auf dem Boden und beschäftigt sich mit einem Malbuch. Die dicke Frau kämpft mit den zwei anderen Kindern, die nur in Windeln und T-Shirt bekleidet schreien, trampeln, beißen. Der Tumult ist so groß, dass alle Beteiligten nur da stehen und wie gelähmt sind. Schließlich reißt sich die Frau von der Rezeption zusammen und checkt mich in aller Eile ein. Von meinem Zimmer aus kann ich noch fast eine Stunde das Geschrei der Kinder hören: „My mom is in jail!“

Später erfahre ich, dass die Mutter bei einer Kontrolle der Polizei verhaftet wurde. Der angeforderte Abschleppdienst hat dann die Kinder, die Oma und das Auto hierher ins Motel gebracht. Irgendwie passt diese Geschichte zu den Vorurteilen, die man über Amerika hat, obwohl ich ja gar nicht weiß, was da im Einzelnen vorgefallen ist.

5 Replies to “Weatherford – Elk City”

    1. thomas Post author

      Das ist hier nicht wie in Deutschland. Die meisten Städte haben keine Ortsschilder. Da steht dann einfach nur ein kleines Schild, wo drauf steht: 35 ml, city limit.
      Sorry es gibt kein Foto vom Ortschild 🙁

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  1. Werner Jürs

    Ja, Die Gegend wird eintöniger und passt mit den Orten zusammen. Kann ein Vorurteil von mir sein und ist ein Thema für zu Hause. Wenn die Grashalme erzählen könnten, würdest du vor lauter zuhören nicht weiter kommen, aber das gesehene und gehörte im Museum(Oklahoma C.?) in Worte fassen können.
    Bekomme beim Fahren keine Langeweile, denke an Sonnenschutz(auch zwischen durch, ich weiß, bin manchmal ein Klugscheißer) uuund pass auf dich auf. LG. M+V

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  2. Christine

    Ich bewundere und beneide Dich für/um diese tolle Tour. Insbesondere jetzt, da Du meine ehemalige Heimatgegend betrittst äh befährst…

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