Newark -Baltimore

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Der Tag gestern lief richtig gut, trotz diverser Hügel. Heute bin ich richtig schlapp. Doch der Reihe nach.

Um 17:00 Uhr erreichte ich Fred in Newark. Ich glaube, er war ein wenig unsicher und schüchtern am Anfang. Ich bin hier in einer richtigen Männer-WG gelandet: Einmal im Monat sauber machen reicht, scheint die Devise zu sein. Ich fühle mich trotzdem wohl hier, weil Fred ein richtig feiner Kerl ist.

Er war gerade am kochen um zu beweisen, dass Amerikaner das auch können. Es gibt ein Curry mit Reis. Er arbeitet und studiert an der Universität Agriculture Research und forscht zum Thema Arsenbelastung im Reisanbau in Südostasien. Als er mir dies erzählt, macht er eine kurze Pause und fährt dann fort: aber der Reis heute Abend ist in Ordnung.

Wir quatschen über verschiedene Sachen, er stellt mir seine Mitbewohner vor. Nach dem Essen zeigt er mir sein Homebrewing Set. Er stellt nämlich drei bis vier mal täglich selber Bier her. Spannende Sache. Ich hatte mir das einfacher vorgestellt. Man braut halt einfach Bier. Doch so einfach ist das nicht, an vielen der nötigen Schritte kann man etwas verändern und erhält dann ein völlig anderes Bier. Zunächst wird der Gerstenmalz in Wasser erhitzt, darf aber nicht kochen. Das Ganze dann gefiltert und mit dem Hopfen angesetzt. Die Temperatur für die Gärung ist genau so wichtig, wie die Dauer des Hopfen in dem Sud und auch, ob man den Bodensatz raus holt oder drin lässt. Er findet noch eine Flasche selbstgemachtes vom letzten Jahr und kredenzt sie uns: es riecht nach Bier.

Wir sprechen auch über Hausbau in Amerika. Er meint, hier muss alles einfach nur schnell gebaut sein, der Rest ist egal. Als ich ihn auf den Keller anspreche, erzählt er mir von seinem zweiten Hobby: Würmer züchten und hochwertigen Kompostdünger herstellen. Im Keller stehen zwei große Bottiche. In einem die Würmer, die den Bioabfall, den er ihnen gibt, auffressen, in dem anderen die getrockneten Kompostkrümel. Mit diesem Dünger bewirtschaftet er sein Stück Garten, das er an der Uni hat. Interessierte Studenten können dort auf der Versuchsfarm ein Stück Garten beackern. Sie haben an der Uni Kühe mit Reisverschlüssen an der Seite, um Proben direkt aus den Mägen nehmen zu können. „Weird!“ nennt er das, ist sich aber sicher, dass es diesen Kühen weitaus besser geht, als in der amerikanischen Massentierhaltung.

Mark, Fred und ich fahren noch in die Stadt und laufen die Mainroad einmal rauf und runter. Für die Studenten gibt es hier eine Kneipe neben der anderen. In einer ehemaligen Kirche ist jetzt ein Studiersaal eingerichtet. Ich bin beeindruckt, hier würde ich immer zum Lernen hin gehen.

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Wir kehren noch in eine Kneipe ein, die ihr eigenes Bier braut. Hinter einer Fensterreihe stehen die verschiedenen Fermenter. Ich darf meine Getränke nicht selber bezahlen, es stellt sich heraus, dass ich der erste Couchsurfer bei Fred bin, obwohl er schon seit zweieinhalb Jahren dabei ist. Was für eine Ehre.

Wo ich aus Deutschland denn her komme? Kiel kennt er nicht, Hamburg kennt er nicht, ich probiere es mit Wacken: Bingo! Er spielte zu Highschool-Zeiten in einer Metalband und wollte immer mal nach Wacken. Ich bestärke ihn darin, mich auch mal zu besuchen, was nicht unwahrscheinlich ist.

Viel zu spät komm ich ins Bett, stehe um 7:00 Uhr auf und steige um 8:30 Uhr aufs Rad. Die ersten 10 Kilometer laufen richtig gut, dann kommen langgezogene Hügelketten, die mich mürbe machen. Es ist kalt heute, man kann es aber aushalten. Am Susquehanna River stehe ich plötzlich vor einem riesigen „Durchfahrt verboten“-Schild für Fahrräder. Auf der Karte gibt es etwa 1,5 Kilometer nördlich eine weitere kleinere Brücke, die sich als viel größere und totaleingezäunte Interstate herausstellt. Ratlos quäle ich mich den Berg wieder hoch und treffe auf Jim, der gerade seinen freundlichen Retriever ausführt. Er weiß nur eine Lösung: Fahrrad in seinen Truck und dann über die Brücke. Ich nehme sein Angebot dankend an.

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Er berichtet von den Meldungen über die Flüchtlinge in Deutschland und den Vorfällen in Köln. Er und die Leute, mit denen er sich darüber unterhalten hat, hätten Hochachtung vor der Leistung, die die Deutschen hier vollbringen, wie wir diese Menschen in Not nicht zurückweisen würden. Frau Merkel muss eine sehr weise Frau sein, meint er, wenn sie ihr Land so an die Grenzen des Möglichen bringt. Ich bin ein wenig gerührt, wie er dieses Thema auf eine so einfache, menschliche Sicht herunterbricht. Ich fühle mich als Deutscher gleich viel …? Stolzer?

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Ich bin Jim wirklich dankbar für seine Hilfe. Er macht auch gleich ein Foto von mir und erhält als Gegenleistung eine der wenigen Visitenkarten, die ich noch habe. Ich mache mich auf den weiteren Weg und bin langsam am Limit. Irgendwann stelle ich fest, dass ich nur noch 35 Kilometer nach Baltimore habe und beschließe, diese Pause bei KFC zu machen: EKELHAFT! Ich habe einmal in Deutschland bei denem gegessen und war schon nicht begeistert. Das Zeug hier wäre Zu Hause unverkäuflich!

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http://oc.jpotthoff.de/index.php/s/HHRzIji5OhvPvk4

Über oben stehenden Link kann die GPX-Datei runtergelafden werden, die die Strecke NY – Plainsboro anzeigt an den Restliche Tracks arbeite ich noch.

7 Replies to “Newark -Baltimore”

  1. Wolfgang

    ich hoffe, Fred macht noch was anderes am Tag außer 4x Bier zu brauen?! wer soll das alles trinken?

    und vielleicht solltest du das nächste mal zum home of the whopper fahren, da wird dir was gebraten. ohne chlorhühnchen ??

    und wie war das mit der Staatsgrenze? Baltimore ist doch in Maryland! vielleicht deshalb das Problem mit dem Fahrrad…. sind das nicht schon die Südstaaten?

    Danke für das Update!

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  2. Jim

    I enjoyed meeting you today. Good luck on your trip. Please leave a comment with your email address and I will email you the picture that I took.

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  3. Patricia

    Du solltest doch nochmal erwägen, deine GPS trails zu teilen – würde zu gerne sehen, wo genau du langfaehrst!
    Nach so langer Zeit in USA ist es irgendwie witzig, deine Eindruecke als Erstbesucher zu lesen, und die Kommentare anderer – eine deutsche Perspektive auf Amerika eben. Lerne dabei auch viel ueber deutsche Vorurteile, und erkenne teilweise meine ersten Eindruecke wieder. Faszinierend.

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  4. hanne hartung

    Hallo Thomas!
    wie schön das du immer wieder nette Leute triffst.
    Wir würden ebenfalls gern deine Route auf der Karte verfolgen.Freue mich schon auf den nächsten
    Bericht. ER ist meine Frühstückslektüre.
    Weterhin gutes Gelingen
    Hanne und Helmut

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  5. Werner Jürs

    Hallo, ich habe den Computer erobert. Werden wohl demnächst einen zu wenig haben um Kämpfe zu vermeiden.
    Was mir bei deinen Bildern ins Auge spring, sind die Oberleitungen. War bei uns, nur nicht ganz so viele Strippen, auch mal so zwischen den Dörfern. Die 2 Brücken haben wir gefunden. Wenn es nicht viel Arbeit macht, kannst du ja vielleicht auch den Straßennahmen deiner Unterkunft schreiben. Bin nicht neugierig, möchte es nur wissen und suchen. Das wir deine Berichte toll finden, brauchen wir ja nicht jedes mal schreiben. Weiter so, pass auf dich auf und noch viel Spaß. Rita und (Papa)

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  6. Werner Jürs

    Hallo Thomas ich nutze schnell die Zeit um dir ein paar Grüße zu senden, Mutti bringt Tessa nach drüben und ich komme an den PC. Deine Berichte sind toll und interessant, weiter so und gute Fahrt!!!
    Vati

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