New York – Princeton

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Der angekündigte Südwind mit Regen überzeugt mich, die Strecke ein wenig abzukürzen. Vom World Financial Center nehmen wir die Fähre nach Belford in New Jersey. Wir, das sind Patricia, Axel und ich. Sie begleiten mich dieses Stück noch. Beim Aufbruch in der Mott Street beginnt es leicht zu regnen, so leicht, dass es sich nicht lohnt, Regenklamotten überzuziehen. Am Fähranleger steigert sich dies zu einem richtigen Schauer, aber hier stehen wir im Trockenen. Patricia und Axel werden nicht müde jedem zu erzählen, dass ich mit dem Fahrrad nach San Francisco fahren werde (hoffentlich), was den Ticketverkäufer dazu animiert aus seinem Häuschen zu kommen und ein Foto von mir zu machen.

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Die Fähre fährt an Staten Island und Miss Liberty vorbei und wenn man zurückblicken könnte, hätte man einen fantastischen Blick auf die Skyline von New York. Auf dieser Strecke verkehren zwei Fähren, eine große mit Außendeck und eine kleine ohne dieses. Wir sind auf dem kleinen Boot.

Belfort wartet mit einem kleinem Hafen auf, der mich an den Popeyfilm aus den 70ern erinnert. Verfallende Lagerhäuser, merkwürdige Holzkonstruktionen, kleine Fischerboote, die Ufer mit Reet bewachsen.

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Der Abschied wird von Patricia und Axel ausgiebig in Fotos und einem Video dokumentiert. Ich bin so froh, dass ich bei Ihnen untergekommen bin, besser hätte ich es nicht treffen können. Sie haben sich so lieb um mich gekümmert, ohne dass ich das Gefühl hatte, sie von ihren Dingen abzuhalten. Ich durfte einfach an ihrem Leben teilhaben.

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Die ersten Kilometer führen durch Marschlande mit Flüssen an denen man die Tide ablesen kann; zur Zeit ist Ebbe. Ein Radweg auf einer alten Eisenbahnlinie ist zum Teil noch mit Schnee belegt, so dass ich einige Male absteigen muss und wenige Meter schieben muss. Dann kommen ein paar heftige Steigungen und ich frage mich, wie ich auf die Idee gekommen bin, dass nicht mal ein bisschen Training notwendig ist für so eine Tour. Insgesamt muss ich vier mal aus dem Sattel und mein Fahrrad etwa 200 Meter bis zur Hügelkuppel schieben.

Nach etwa fünf Kilometern treffe ich Robinson, so habe ich ihn genannt, weil er mich Mittwoch nennt. Ich beschließe, ihn nicht auf der Straße liegen zu lassen, sondern ihn als Motivator mit nach San Francisco zu nehmen. Ich glaube, er freut sich darüber. Er ist ziemlich stolz und mag nicht zugeben, dass er ohne seine Superwaffe eigentlich kein richtiger Superheld ist. Wir kommen richtig gut klar. Ich bin froh unterwegs nicht mehr alleine zu sein.

Die Hälfte des Weges geht durch diese fiesen Hügelketten, die mit dem noch nicht ganz überstandenen Jetlag ihr Übriges tun. Am Ende bin ich fertig, sitze in einer Bushaltestelle und nehme Kontakt zu meinem nächsten Gastgeber auf: Michael und Rachel. Michael kann nicht, wie geplant, früher von der Arbeit los und er empfiehlt mir für die Übergangszeit einen McDonald’s, den ich aufsuche. Dort fange ich an, am Blog zu arbeiten und verdrücke zwei large Pommes und einen large Kakao.

Michael kommt dort vorbei, erklärt mir, wo er wohnt und ich fahre zu seiner Wohnung. Er arbeitet für eine Wohltätigkeitsorganisation und organisiert im Marketing unter anderem einen Halbmarathon in Princeton. Er fährt mit mir einkaufen, weil ich noch etwas Brot haben möchte. Der Supermarkt, den er mit mir aufsucht, ist riesig und lässt keine Wünsche übrig. Hier findet man alles und es gibt eigentlich keine Ausrede, auf ungesundes Essen auszuweichen. Außer vielleicht, dass man für 100g Gruyere (Käse) etwa 8,- € bezahlt und dass es zwei riesige Regalreihen voller Chips, Flips und solchen Dingen, die ich noch nie vorher gesehen habe, gibt. (und zwei Regalreihen Süßigkeiten). Michael kauft Fisch und Rachel bereitet diesen zu.

In der Zeit arbeitet Michael mit mir den Weg nach Philadelphia aus. Er tut mir ein wenig leid. Ich bin so kaputt, dass ich nicht zu einer vernünftigen Kommunikation in der Lage bin. Ich glaube, manchmal schiele ich schon vor Müdigkeit. So kommt es, dass ich schon um 21:30 im Bett liege und Michael und Rachel sich ins Schlafzimmer zurück ziehen. Ich hoffe, ich habe sie nicht zu sehr in ihrem Leben eingeschränkt.

4 Replies to “New York – Princeton”

  1. Wolfgang

    na endlich gibt es was vernünftiges zu essen, so wie wir es klischeehaft kennen!
    apropos: gibt es Bilder von Robinson?? ?
    und hat der überhaupt noch Platz?

    go Thomas go! ??

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  2. Werner Jürs

    Hay Thomas! Jetzt hatte ich alles gelöscht und muss alles nochmal schreiben. Kannst mal sehen was deine Reise so anrichtet. Ich sitze vorm Computer. Also, wir schließen uns Wolfgangs Frage an.
    Ich würde am liebsten nach kommen. Aber geht ja nicht. Also verarbeite ich jetzt eine Woche ohne Waschmaschine und Dreck von 2 Hunden und bin in Gedanken bei dir. Lilly geht es gut. Weiterhin viel Spaß und gut radeln!!!! War das aufregend, erste mal schreiben am PC.
    Mutti

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  3. Patricia

    Da bin ich ja froh, dass du gut angekommen bist! Viel Glueck mit dem Radeln im Schnee heute auf dem Weg nach Philadelphia. Und nimm uns ruhig beim Wort, falls du etwas mehr von Deinem Gepaeck bei uns per Post zwischenlagern magst. Alle Leute, die ich kenne, die eine Cross Country Tour gemacht haben, haben Gewicht reduziert, und du hast bestimmt das meiste dabei in Pfunden. Die Berge werden sicher noch größer als die New Jersey Hills, auch wenn du nicht ueber die nördlichen Rocky Mountains fährst!

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  4. thomas Post author

    Ich werde in Atlante mal ausmisten. Dann weiß ich glaube ich, was ich brauche und was getrost auf der Strecke bleiben kann. Lieben Dank noch mal an Euch.

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